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Der Rollwald
 
 
Woher stammt eigentlich der Name Rollwald, der vom früherren "Rouwald" abgeleitet ist?
Es war keine Bezeichnung für einen Wald, den man wegrollen konnte und verdankt die Namengebung auch nicht dem Reichskriegsministerium, dass hier 1937 den Bau einer Autobahn, einer sog. Rollbahn, plante. Bereits im l7.Jahrhundert strebte man eine einheitliche Rechtschreibung an, jedoch erst 1901 gelang es der "Orthographischen Konferenz", eine Einigung zu erzielen und im "DUDEN" festzusetzen. Bis dahin wurde so geschrieben, wie man das gesprochene Wort verstanden hatte. Dialekte und undeutliche Aussprache spielten daher eine große Rolle. So mag es auch beim Rollwald gewesen sein. Nachvollziehbar wäre der Name "Rodwald", der in dem über Jahrhunderte erhaltenen Dialekt der Nieder-Röder zum "Rouwald" wurde. Der Name könnte auch vom lateinischen "rora" stammen. Es bedeutet Rodung oder Rodungsgebiet. Oder der Name leitet sich aus dem germanischen "rao" für rauh und unzugänglich ab.
Die endgültige Bezeichnung Rollwald erhielt das Gebiet vermutlich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Lage und Ausdehnung der heutigen Siedlung ist allerdings nicht mit dem damaligen Waldgebiet identisch. Der Rollwald war früher häufig Ziel eines Sonntagsausfluges der Nieder-Röder. Vor 1938 war er ein wunderschöner Mischwald, der in dieser Gegend seinesgleichen suchte. Die langen Wege im Rollwald konnte man gemütlich entlangschlendern und häufig gab es ein Picknick am Wegrand. Aber der Rollwald war nicht nur Ausflugsziel für Familien, sondern auch Treffpunkt für junge Paare, wodurch der Beiname "Poussier-Wäldchen" entstand. In den 20er Jahren wurde dann das erste Gebäude errichtet.
Die Firma Ludwig Schmitt & Co., im Volksmund "Lutschko" genannt, errichtete eine Ziegelbrennerei und ein Kalksandsteinwerk. Die Produktion konnte jedoch nicht lange aufrechterhalten werden.
Die leeren Hallen dienten dann als "Abenteuerspielplatz" und die Eisenbahnschienen wurden später von Nieder-Röder Häuslebauern zur Deckenkonstruktion verwendet. 1938 entstand dann das Lager Rollwald "Stammlager II".

Kirche im Rollwald

Nieder-Roden war "katholischer" Ort. Die wenigen "Evangelischen" betreute der Pfarrer aus Dudenhofen. Die Kirchengeschichte des Rollwaldes lässt sich bis in das Gefangenenlager Rollwald zurückführen. Hier gab es bereits eine "Kirche", in der evangelischer und katholischer Gottesdienst abgehalten wurde. Zeitweise war dies durch die Pfarrer der für Nieder-Roden zuständigen Pfarreien zu leisten.
Die katholische Kirchenchronik berichtet:
Am 20. März 1939 wird in dem seit 14 Monaten bestehenden Lager erstmals ein Gottesdienst gefeiert. Von 550 Katholiken und 800 Protestanten erschienen 122. Ab 1960 entstanden im Rollwald durch das Siedlungswerk zahlreiche Reihenhäuser und zur Jahreswende 1963/64 zählte der Ortsteil Rollwald I 310 Einwohner. Die Katholiken unter den Neubürgern kamen zum Teil aus Städten mit intaktem Pfarrleben. Sie fanden im Rollwald was kirchliches Leben betraf eine trostlose Situation vor. Kein Grußwort - kein Pfarrbrief! Keiner kümmerte sich um die Neubürger der Nieder-Röder Pfarrei. Die Einführung von Pfarrgemeinderäten in der Diözese erfolgte im Jahr 1968 gerade zur rechten Zeit. Mittlerweile waren Kinder aus dem Kindergarten Rollwald bereits eingeschult und wurden zu Erstkommunion angemeldet. Diese Situation veranlaßte 5 "Rollwälder", sich als Kandidaten für den Pfarrgemeinderat aufstellen zu lassen: Katharina Witt, Karl-Heinz Engelstädter, Karl Hans Kluth, Norbert Eisner und Kurt Jirouschek. Ihre Chance, gewählt zu werden war sehr gering, denn die "einheimischen" Nieder-Röder kannten die Neubürger kaum und erschwerend kam hinzu, dass im Rollwald kein Wahllokal eingerichtet wurde. Wer seine Stimme abgeben wollte musste nach Nieder-Roden kommen. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde Hr. Engelstädter bei der PGR-Wahl am 07.04.1968 mit 347 Stimmen gewählt. Wahrscheinlich deshalb, da er zuvor in der Schulstraße in Nieder-Roden wohnte und daher den Nieder-Rödern noch bekannt war. Im Einvernehmen mit allen gewählten Mitgliedern ernannte der Pfarrer 5 weitere Mitglieder für den Pfarrgemeinderat: Hr. Marco - als Vertreter der ausländischen Mitbürger, Fr. Domel - als Vertreterin des Neubaugebietes, Fr. Töpfer, Fr. Jonas und unter anderem Hr. Kluth - als weiteren Vertreter für den Rollwald.

Die "Geburt" der Heilig-Kreuz-Kirche

Aus der Nieder-Röder Pfarrchronik können wir entnehmen: Bei den Katholiken im Ortsteil Rollwald bestand schon lange der Wunsch nach einem eigenen Gottesdienstraum. Ältere und kranke Gemeindemitglieder hatten kaum eine Möglichkeit, am Gottesdienst in St. Matthias in Nieder-Roden teilzunehmen. Andere Katholiken gerieten mehr in Distanz zur Kirche, da der christliche Mittelpunkt fehlte. Wer zum Sonntagsgottesdienst nach Nieder-Roden wollte, musste mit dem Bus um 08:45 Uhr fahren. So konnte er an der 09:00 Uhr-Messe teilnehmen. Erst viel später, als der ein oder andere sich ein Auto leisten konnte, haben sich Kirchgänger zu Fahrgemeinschaften zum Sonntagskirchgang zusammengetan.
Bereits im Januar 1968 wandte sich Herr Kluth schriftlich an den Bischof und schilderte ihm die Situation. Der Bischof antwortete, dass er sich der Sache annehmen würde und mit dem zuständigen Pfarrer über den Bau eines Gottesdienstraumes sprechen würde. Der damalige Pfarrer, Pfr. Heberer, zeigte zunächst wenig Interesse für eine solche Maßnahme. Vielleicht auch wegen der nicht ganz unproblematischen Räumung des Baugeländes. (Auf dem Baugrund standen Baracken, die Unterstellplatz für schwere Lastwagen waren.)
Ende März 1969 schreibt Herr Engelstädter im Auftrag des Pfarrgemeinderates nochmals an den Bischof mit der Bitte um Unterstützung zum Bau einer Kirche im Rollwald. Wiederum erwartet Mainz eine Stellungnahme des zuständigen Pfarrers. Ein Schreiben im April 1969 an Domkapitular Dr. Groh (geboren in Nieder-Roden) brachte schließlich den ersehnten Erfolg. Nach einer positiven Stellungnahme von Pfarrer Heberer wurden unverzüglich umfangreiche Maßnahmen zum Kirchenbau eingeleitet. Der Pfarrgemeinderat nahm sich besonders engagiert des Projektes an. Es wurde ein Bauausschuss konstituiert, dem außer den Vertretern des Rollwaldes auch die inzwischen verstorbene Frau Domel angehörte, deren engagierte Mitarbeit wesentlich zum Gelingen beigetragen hat.

Der Bau kann beginnen...

Zunächst wurden verschiedene Kirchenbauten besichtigt und durch den Bonifatiusverein diverse Kirchenbaupläne beschafft. Im Kirchenpavillon in Waldacker fand man schließlich das ideale Vorbild. Es folgten Besprechungen mit dem Pfarrer aus Pfungstadt, der in seiner Kaplanszeit in Ober-Roden den Kirchenbau in Waldacker leitete. Pfarrer Heberer brachte inzwischen die Kirchenbaumaßnahme vor den Verwaltungsrat. Die Abstimmung endete mit einer Gegenstimme, so dass zunächst eine Verzögerung eintrat. Doch schon in der darauf folgenden Pfarrgemeinderatsitzung erklärte Pfarrer Heberer: Der Bau kann beginnen ! Die "Gegenstimme" war inzwischen verstorben.
Das nächste Hindernis war die Räumung des Baugeländes: Das Kirchengrundstück war wild bebaut mit Baracken und Lastwagengaragen. Nachdem alle Probleme überwunden und das Grundstück endlich geräumt war leitete Pfarrer Heberer mit großem Eifer die Bauarbeiten ein. Der Pfarrgemeinderat brauchte ihm jetzt nur noch beizustehen. Der Reinerlös der Pfarrfeste in Nieder-Roden in den Jahren 1969, 1970 und 1971 kam dem Kirchenbau im Rollwald zu Gute.
Das Ing. Büro Flatters wurde mit der Planung für ein Gotteshaus mit 120 Sitzplätzen betraut und im Dezember 1970 startete der Baubeginn. Der Pavillon wurde aus Stahlbeton-Fertigteilen errichtet. Neben das Kirchengebäude stellte man ein Stahlgerüst, in das eine kleine Glocke aufgehängt wurde. Diese Glocke stammt aus einem französischen Kriegsgefangenenlager, und wurde im November 1946 von ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen in das Lager Rollwald gebracht. Am 12.06.1971 wurde die "Heilig-Kreuz-Kirche" im Rollwald von Domkapitular Dr. Adam Groh eingeweiht.

Die Namengebung

Im Matthiasboten vom 13.06.1971 war zu lesen: " Heilig-Kreuz-Kirche soll der Kirchenpavillon im Rollwald an der Rheinstraße heißen. Es existiert bereits eine Straße "Am Kreuzberg"; in Anlehnung an die geschichtliche Überlieferung, dass dort früher einmal ein Kloster war. Zur Zeit des Lagers war im Rollwald viel Kreuz. Trotz allem Schweren, das auch in Zukunft nicht verbannt werden kann, schauen wir voll Hoffnung auf das Kreuz. Am Kreuz hat Christus das Heil erlitten. Das Kreuz und den Tod hat er überwunden zu neuem Leben, dass wir das Leben in Fülle haben. Die Glocke im kleinen Kirchturm stammt aus dem Gefangenenlager. Sie ist uns ein Stück Tradition und Geschichte. Die Einsegnung der Kirche nimmt Hochw. Hr. Domkapitular Dr. Adam Groh vor. Die Feier beginnt um 17:00 Uhr. Dazu wird herzlich eingeladen. Am Freitag Abend mögen die Rollwälder nochmals kommen zu letzten Aufräumen; Männer, Frauen und Jugendliche."

Das Altarbild

Noch immer gibt es Rätselraten um seine Herkunft:
Version l: 1982 fand man bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden der St. Matthiaskirche einen verstaubten Altar. Dass der Altar aus dem Lager Rollwald stammt, konnte nachgewiesen werden. Ob der Maler ein Häftling war ist ungewiss. Ein ehemaliger Kriegsgefangener berichtet: "1946 wurden wir von Paris nach Nieder-Roden/Rollwald gebracht. Als Mitbringsel aus Versailles hatten wir einen zusammenklappbaren Altar, den ein Mitgefangener namens Marijan gemalt hatte..."
Version 2: 1982 fand man bei Renovierungsarbeiten in der Sakristei der St. Matthiaskirche in Nieder-Roden ein Altarbild, das aus der Lagerkirche des ehemaligen Gefangenenlagers stammte. Der Künstler war vermutlich ein Häftling des Lagers Rollwald mit flämischer Herkunft. Das Altarbild stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1941.
Nachdem es von einem polnischen Künstler restauriert worden war, wurde es am 16. September 1984 in der Kreuzkirche aufgestellt. Es wurde auf Presspappe gemalt und besteht aus 3 Teilen: Der Mittelteil (1,20 x 1,20) zeigt die Ölbergszene, Christus beim Gebet im Garten Gethsemane. Auf dem linken Flügel ( 1,20 x 0,60) ist die Heilige Familie dargestellt, auf dem rechten Flügel (1,20 x 0,60) Christus am Kreuz.

Der 2. Pavillon

Die Kreuzkirche diente nicht nur als Gottesdienstraum sondern wurde auch für viele weitere Veranstaltungen genutzt: z.B. für das alljährliche Sommerfest, für Theaterveranstaltungen, als Vortrags- und Vorführraum und vieles mehr. Hierzu musste die Kirche natürlich jedesmal komplett ausgeräumt werden. Mit finanzieller Hilfe aus Mainz und viel Eigeninitiative der Gemeindemitglieder konnte dann 1985 ein zweiter Pavillon errichtet werden. Besonders tatkräftig beteiligten sich Herr Kühn, Herr Prüfert, Herr Eisner, Herr Dürsch und viele andere an der Errichtung des neuen Gebäudes.
Mit diesem 2. Pavillon ist im Rollwald ein Raum für Tagungen, Veranstaltungen und auch Familienfeiern geschaffen worden. Hier treffen sich jetzt regelmäßig der Krabbelkreis, der Bibelkreis, der Jugendkreis , die Senioren usw.

Die Orgel

Nachdem man sich über viele Jahre mit einem Harmonium hatte begnügen müssen, erhielt die Kreuzkirche endlich eine Orgel: Nieder-Rodens langjährige Organistin Margarethe Feier hat dieses Instrument nach ihrem Tod der Kreuzkirche testamentarisch hinterlassen. (Erkennbar an einer Plakette, die am Instrument angebracht ist.) Am 25. August 1991, im Festgottesdienst zum 20-jährigen Bestehen der Rollwaldkirche um 09:30 Uhr war die Orgel erstmals zu hören. (Am Nachmittag wurde die neue Glocke gesegnet, siehe "Große Glocke")
Auch heute kommen die Organisten aus der St. Matthiaskirche Nieder-Roden zum Orgel spielen in die Kreuzkirche im Rollwald.

 
Die große Glocke
 
 
Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Rollwälder Kirche beschließt der Verwaltungsrat, den Glockenturm auf das Doppelte zu erhöhen und eine 2-Zentner-Glocke anzubringen. Das Vorhaben fand natürlich großen Anklang. Man freute sich, dass das Glockenläuten vom Tonband in Zukunft vom natürlichen Klang einer richtigen Glocke ersetzt werden würde. Über den Namen der Glocke stimmten die Gemeindemitglieder im Gottesdienst ab. Sechs Namen standen zur Auswahl:
Edith Stein, Maximilian Kolbe und Pater Delp
- als Widerstandskämpfer im Dritten Reich
Hl. Magdalena, Hl. Helena, Hl. Walburga
- bezugnehmend auf die Pfarrgemeinde Hl. Kreuz und das Kloster Rotaha.
Die meisten Stimmen erhielt "Walburga". Am 25. August 1991 um 14:30 Uhr wurde die neue Glocke von Pfarrer Grittner und Kaplan Stock gesegnet.